Melchaatobel

Das Melchaatobel ist ein wunderbares, wildes Tobel zwischen Sachseln, Giswil und Lungern. Hier gibt es viele Flurnamen. Auf dieser Seite wandern wir von Flurnamen zu Flurnamen und können so einiges aus der Geschichte, Geologie, Planzen- und Tierwelt dieses kleinen wilden Tales vor unserer Haustüre erfahren. Der Einstieg ins Melchaatobel kann über den steilen Fussweg direkt unter dem Melchaa-Dossen erfolgen oder man wählt den längeren aber bequemeren Weg über das Zollhaus.

 

Zollhaus

Alte Zollstätte, früher Lagerhaus und Umschlagplatz am Sarnersee. Vor dem Bau der Brünigstrasse wurde die Handelsware auf dem Sarnersee befördert. Der Zöllner wurde von der Landsgemeinde gewählt, dieser musste neben seinem Amt als Zollbeamter, zwielichte Gestalten in seinem Gasthaus nach Sarnen melden. Im Jahre 1850 wurde diese Zollstätte aufgehoben, der letzte Zoller war der Zollersimi (Simon Burch). Die Gaststätte entwickelte sich zu einem ansehnlichen Betrieb und ist heute mit seiner besonders gepflegten Fischküche bekannt. Das Haus ist seit 5 Generationen in Familienbesitz.

 

Schanz

Vor dem Bau der Nationalstrasse A8 stand hier ein „Schärmähüttli“ mit einer grossen Eiche in der Nähe. Die Waldeigentümer im Tobel durften hier ihr Holz zwischenlagern. Zu dem Zweck besassen die Waldeigentümer hier 4000m2 Land.

 

Melchaadossen

Dieser Aussichtpunkt, 130 Meter über dem Talgrund ermöglicht einen einmaligen Blick auf Diechtersmatt und Giswil. Die kleine Melchaa floss früher um den Melchaadossen durch die Melchaamatte im Bereich des Hohlenbaumes direkt in den See. Der Lauf der kleinen Melchaa wurde 1876 kanalisiert oder in gerader Linie mit dem Dreiwässerkanal zusammengeführt. Durch diese Korrektur verlängerte sich der Lauf des Baches und damit wurde das Gefälle geringer, was in der im Hochwasser 2005 zu grosser Verwüstung führte. Nun soll diese Korrektur rückgängig gemacht werden.

 

Melchaaboden

Hier ist weit und breit kein Boden zu finden, die Bezeichnung für diesen Ort stammt aus der Zeit des Holztransportes im Winter. Die alte Strasse war hier fast eben, sie bildete ein Boden. Hier mussten die Bremseinrichtung, meist Unterleg-Ketten oder auch „Gunteln“ entfernt werden. Beim Holzreisten waren solche flache Wegpartien gefährlich weil sie das Holz bremsten bzw. zum Stillstand brachten. Die Holzer mussten die Stämme von Hand ziehen, nachfolgende schnellere Holstämme führten zu fatalen Unfällen.

 

Hechfluo

Diese Stelle gehörte beim Holzen im letzten Jahrhundert zu den gefährlichsten Stellen. Die Strasse ist in die Felsen eingesprengt worden, tief darunter zwischen senkrechten Felswänden rauscht der smaragdgrüne Wildbach in seinem engen Bett. Das Langholz wurde mit Zwick oder Pferd, das gespaltene Holz auch mit Handschlitten über den vereisten Weg Richtung Tal gezogen. Bei zuviel Zuladung oder nicht ausreichender Bremsung geriet das Gefährt ausser Kontrolle. Tier und Ladung stürzten ins Tobel und waren verloren, der Holzer konnte sich meist mit einem Sprung in Sicherheit bringen. Am 28. Aug. 1892 fiel Peter Enz hier in der Nähe beim Holzflösen über eine 60 m hohe Wand ins Tobel. Pfarrer Nikodem Rohrer wurde mit einem Seil hinunter gelassen um dem Sterbenden die letzte hl. Ölung zu spenden.

 

Färligraben

Vor ca. hundert Jahren im Frühling kaufte der Besitzer der Grossschwendi der „Steinerhälmi“ (Wilhelm Zumstein) in Sachseln eine kleines Schwein, ein Färli. Er band das kleine Tier auf die Traggabel und nahm den nächsten Weg durch das Tobel. Die Runse, die auf dem schmalen und schlechten Bergweg Richtung Schwendi gequert werden muss, war vereist. Der „Steinerhälmi“ mit seinem Färli auf der Traggabel rutschte durch den Graben ins Tobel hinunter. Mann und Schwein blieben zum Glück unverletzt. Ab hier können im Bachlauf immer wieder Findling aus der letzten Eiszeit beobachtet werden, sie wurden von einem Seitenarm des Aaregletschers über den Brünig hierher gebracht. Sehr gut sind ist hier die Schichtung zu sehen, welche bei der Ablagerung der Sedimente vor etwa 150 Mio. Jahren entstanden sind. Inzwischen sind aus diesen Sedimenten die Felsen geworden, welche das ganze Melchaatobel bilden.

 

Cholplatz

Hier wurde bereits um 1600 Holzkohle gebrannt, das Melchaatobel war unzugänglich, die erste schmale Strasse wurde erst 1892 gebaut. Die Kohle wurde auf dem Rücken ins nahe Ennetstocken hinauf getragen. Hier wurde Kalk gebrannt, den Kalkstein wurde aus den nahen Tuffgräben herbeigeschafft. Der gebrannte Kalk wurde für den Bau der Sachsler Pfarrkirche verwendet. Die kleine Hütte mit Feuerstelle und einfacher Toilette ist beliebt bei Familien und Wanderern die fernab vom Alltagstrubel Ruhe suchen.

 

Bettlernest

Nach alten Aussagen hat sich hier öfters fahrendes Volk aufgehalten z.B. Kesselflicker, Chorber, Scherenschleifer. In den Giswiler Taufbüchern finden sich öfters Eintragungen von fahrendem Volk, der Pfarrer stellte sich in der Regel als Pate zur Verfügung. Durch den Ausbau der Strasse wurde der Platz stark verkleinert. Im Winter ist der Felsen von einem spektakulären, dicken Eispanzer überzogen. Nach einer anderen Deutung soll sich hier beim Flössen das Holz angesammelt haben, es wollte nicht mehr fort.

 

Dom

Hier erheben sich links und rechts des Baches riesige, teilweise überhängende Felswände. Die ganze Szenerie erinnert an einen Dom. Die Mächtigkeit der Feldwände kommt auch in der ab und zu verwendeten Bezeichnung „Petersdom“ zum Ausdruck. Durch die stets hohe Luftfeuchtigkeit und die seltene direkte Sonneneinstrahlung konnten sich an den Felsen und wenigen Sträuchern teilweise schweizweit sehr seltene Flechtenarten bilden. Unten im Bach sind eindrückliche Strudellöcher zu sehen, welche während der letzten Eiszeit entstanden sein müssen.

 

 

 

Böser Stieg

Nach der Brücke im Dom fängt die Strasse merklich zu steigen an und zwängt sich zusammen mit dem Bach durch eine enge Stelle. Für die Holztransporte waren diese Stellen sehr kritisch. Aus dem Grunde nannte man diese Stelle böser Stieg. Die Strasse wechselt hier wieder auf die Sachsler Seite, die Gemeindegrenze wird durch die Melcha gebildet. 

 

 

Auffang

Nach dem bösen Stieg öffnet sich das Tal und das Bachbett wird flacher. Hier wurde Holz gesammelt und vorbereitet zum Flössen. Die Enge des Bachbettes und die vielen Stufen erlaubte nur das Flössen von 3 Fuss (ca. 1 m) langen Totzen. In der Regel wurde nur im Frühjahr bei Schneeschmelze geflösst. Zur Verstärkung des Wasserschwalles wurden im Brandegggraben, Aelggibach und in der Melchaa Chlusen betrieben. Überreste einer Chlus sind nur noch im Chalberschwand zu sehen. Nach dem Abfluss des Wassers wurde die Chlus während der Nacht geschlossen, am anderen Tag ging die Schinderei wieder weiter. Möglicherweise war der Auffang das Ende einer solchen Tagesetappe.

 

 

 

 

Chälengraben

Durch den Chälengraben wurde im Winter das Langholz gereistet. Diese Methode war die einzige Methode das Brennholz aus den unerschlossenen Wäldern zu bringen. Vor dem Weitertransport in der Melchaa musste das Holz zu meterlangen Totzen zersägt werden. Erst nach dem Bau der Strasse konnte auch Lang- und damit Bauholz genutzt werden.

 

Giswiler Hüttli

Das Giswiler-Hüttli wurde im Jahre 2005 vom Bach zerstört. Es diente früher als Unterstand für die Holzer und ihre Tiere, die Holz aus dem Tobel schleiften. Hinter dem grossen Stein sind noch Reste der früheren Stallung zu sehen. Beim Bau des Wasserstollens, welcher das Wasser aus der kleinen Melchaa in den Lungerersee bringt im Jahre 1928 wurde der Platz erweitert. Im grossen Betonriegel über den Bach fliesst das Wasser des grossen Melchtals in den Lungerersee, dieser lange Stollen wurde im Jahre 1930 gegraben. Ab hier begleitet uns wieder das Rauschen des ungezähmten Baches.  

 

 

 

Marchgraben

Der Namen Marchgraben bedeutet, dass dieser Bach eine Grenze bildet. Tatsächlich befindet sich die Gemeindegrenze zu Lungern zwei Kilometer weiter hinten im Tal, im Wendbachgraben. Möglicherweise war der Grenzverlauf hinter dem Berg nicht immer klar bzw. die Gemeindegrenze wurde verschoben lange nachdem der Namen dieses Grabens schon fest im Sprachgebrauch der Bevölkerung verankert hatte.

 

Lochchäller

Hier im Lochchäller zwingt sich der Bach durch eine sehr enge Stelle und beschreibt einen engen Bogen und bildet schöne Wasserfälle und tiefe Wasserbecken. Um Platz für die Strasse zu schaffen, musste viel Gestein ausgebrochen werden. Grund für die Namesgebung ist ein Loch in der Felswand, es kann heute wegen dem nachwachsenden Wald nicht mehr gesehen werden.

 

Rindelsgraben

Der Rindelgraben entspringt auf dem Gemeindegebiet von Sachseln. Obwohl er meist kaum Wasser führt kann er bei einem Gewitter zum gefährlichen Wildbach werden und führt viel Geschiebe mit sich. Zu beachten sind die vielen Pionierpflanzen die die vom Bach übersarten Flächen sofort wieder besiedeln. In den lichten Wäldern hier ist der Frauenschuh und andere Orchideenarten häufig anzutreffen.

 

Lochhüttli

Hinter dem Loch-Chäller öffnet sich das Tal erneut. Es ist kaum zu glauben, hier befand sich früher eine kleine Sachsler Alp. Im Jahre 1920 wurde die Alp aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben und aufgeforstet. Das Hüttli wurde 1930 neu erstellt und diente den Holzern als Übernachtungsstelle. Der schöne Platz an der Melchaa mit Feuerstelle hat einen schönen Brunnen mit einer originellen Wasserfassung.

 

Tuffgräben

Tuff auch Tuft ist ein Kalksteinablagerung, dieser wird aus stark kalkhaltigem Wasser ausgefällt sobald dieses mit Luft in Berührung kommt. Gefördert wird dieser Prozess zusätzlich dadurch, dass das kalkgesättigte Wasser über Moose fliesst. Einerseits bieten die Moose eine grosse Oberfläche zum Ausfällen des Kalkes, anderseits entziehen sie dem Wasser CO2, welches sie für ihren Stoffwechsel benötigen. Hier auf einer Höhe von gut 900 Meter sind im Bachbett die letzen Granitblöcke zu finden die der eiszeitliche Gletscherstrom von der Grimsel hierher verfrachtet hat. Der Talboden von Giswil war in der letzten Eizeit, also die Zeit von etwa 115000 bis etwa vor 10'000 Jahren mit einem mächtigen Eispanzer von ca. 1000 m Dicke überdeckt.

 

 

 

Lengbrügg

Früher war das Bachbett hier sehr breit, zur dessen Querung musste eine lange aufwändige Brücke gebaut werden. Diese wurde vom Bach öfters beschädigt, heute braucht es durch verstärkte Brückenköpfe nur noch eine kurze Brücke über die Melchaa.

 

Wendbachgraben

Der Wendbachgraben bildet die Gemeindegrenze zu Lungern. Dieser entspringt am Höh Grat und Arvidossen. Leider ist von den riesigen Stufen und Wasserfällen nur der unterste Teil zu sehen. Der Chiserenschwandbach entspringt am Wandelengrat in der Gemeinde Sachseln. Im Winter gehen in diesen Bächen mächtige Lawinen nieder.

 

Rindenhüttli

Der Namen für dieses Hüttli ist heute nicht mehr zutreffen, eigentlich wäre Blechhüttli richtiger. Rindenhüttli wurden früher immer gebaut wenn ein grösserer Holzschlag anstand. Bei abgelegenen Standorten waren die Unterstände so gross, dass sogar übernachtet werden konnte. Baumrinde ist bei richtiger Anwendung ein dichter Baustoff, allerdings verrottet das Material schnell. Was aber von Vorteil war da auch früher ein Kahlschlag nicht länger als eine Saison dauerte. Hier zweigt der Weg ab Richtung Rufi – Älggi und damit zum Mittelpunkt der Schweiz. Ab hier entspricht der Zustand der Strasse dem Ausbaustand aus der Bauzeit der ersten Strasse im Jahre 1892. Das war auch der Grund für den Einsatz einer Maultierkolonne beim Bau der Wasserfassung im Jahre 1925.

 

Älggibach

Der Älggibach entspringt hoch oben am Brünighaupt. Auf Aelggi bildet er einen schönen Wasserfall. Unterhalb des Kleinälggi ist er nochmals als riesiger, über 200 m hoher Wasserfall zu sehen. Beim hinteren Rufi verliert er sich nochmals in der engen Schlucht bis zur Einmündung in die kleine Melchaa.

 

Gemsläcki

Die Gemsläcki ist der letzte zugängliche Teil der Melchaaschlucht und ist sehr eindrücklich. Der Weg ist tief in die Felsen eingesprengt und hat etwa die Breite des alten ursprünglichen Weges wie er 1892 gebaut wurde, er ist mit einem Fuhrwerk nicht mehr passierbar. Am Ende des Durchganges ist eine Stelle mit schwarzem faulem Schiefer zu finden. Hier sollen besonders im Frühjahr Gemsen zu finden sein die offenbar verschiedene Mineralstoffe aufnehmen. Nach dieser Stelle verliert sich der Weg im Bachbett, das Tal weitet sich wieder und bildet eine ideale Stelle für eine Pause und eine verdiente Wurst am Feuer.

 

Gleich nach der Gemsläcki führt der Weg über eine schwankenden Holzsteg über die Gemsläckiegg Richtung Richtung Stollen und von hier über einen steilen ausgesetzten Bergweg auf die Aelggialp zum Mittepunkt der Schweiz.