Dachziegel

 

Giswiler-Ziegel nach über 230 Jahren wieder gefunden.

 

Der Lokalhistoriker Josef Schäli überlieferte die interessante Geschichte über die Herstellung von Dachziegeln in Giswil. Im lehmigen Turinerried zwischen der alten Drogerie und der Telefonzentrale wird gegenwärtig (2020) eine Tiefengarage ausgehoben. Die Ziegelei von „Glaser Glois“ Niklaus Berchtold stand ungefähr im Bereich der heutigen Telefonzentrale. Beim Aushub wurden auch alte Biberschwanz-Ziegel von dieser Ziegelei an den Tag befördert.

 

Einige Fundstücke die über 140 Jahre im Lehmboden ruhten:

 

Dazu der Bericht von Josef Schäli und Angaben über die Ziegelei in Giswil im Staatsarchiv Obwalden. „D.03.05.0575.05 Einzelne Fabriken: Giswil A-Z Ziegelei Berchtold“

 

Betriebe mussten 1878 nach Bundesgesetzes Artikel 17 einen Fragebogen betreffend „Arbeiten in den Fabriken“ ausfüllen. Hier die Antworten von Glois Berchtold auf einem entsprechenden Fragebogen von 1878 über Industrie und Gewerbebetriebe:

 

„In Giswil betreibt Niklaus Berchtold eine Ziegelei. Die Gesamtzahl der im Betrieb beschäftigten Arbeiter beträgt fünf Personen. Drei Männer sind über 18 Jahre alt ebenfalls eine Frau. Dazu beschäftigt er einen 16 jährigen Jüngling und eine gleich alte Frau. Keine weiteren Personen unter 16 Jahren.

 

Gearbeitet wird nur bei Tag und nur in der Sommerzeit. Einzig beim Brennen braucht es drei Nächte, also Arbeit rund um die Uhr. Mechanische Motoren werden keine verwendet. Die Arbeitszeit ist für die erwachsenen und unerwachsenen Arbeiter gleich lang. Gearbeitet wird im Tag 12 Stunden von 6 Uhr morgens bis abends um 6 Uhr. Verheiratete Frauen haben die gleiche Arbeitszeit. Vor Sonn-und Feiertagen gilt die gleiche Arbeitszeit. Im Betrieb existiere keine Betriebsordnung. Die Lohnzahlung erfolgt auf Verlangen. Der Betriebsinhaber findet, dass sein Betrieb nicht unter das Fabrikgesetz falle.“

 

Die Antworten geben über diesen Betrieb wertvolle Hinweise.

 

Niklaus Berchtold - Der letzte Ziegler von Giswil

 

Wenn man vom Bahnhof Giswil gegen Rudenz geht, so sieht man ob der Maschinenfabrik gegen die Aa eine schöne neue Scheune. Gerade da war ehedem die Ziegelhütte mit den vielen Hütten und Baracken ringsum von Niklaus Berchtold, genannt der Glasergleis[1]. Er war der letzte Zieglermeister. Ich weiss noch ganz gut, als selbe noch in vollem Betriebe war und habe selbst noch Kalk und Ziegel dort geholt. Die Dachziegel waren zweifelhafter Güte, sie waren weisslich, und wenn der Frost kam, schieferten sie ab. Entweder war der Lehm schlecht oder zu wenig gebrannt vielleicht beides zusammen. Die Konkurrenz hielt diese Ziegelei nicht aus, und als die Brünigbahn 1887 eröffnet wurde, war's um dieses lokale Gewerbe geschehen. Ziegler Berchtold wurde dabei auch nicht reich. Er war Besitzer des schönen Heimwesens Talacheri, das im Erbgut seiner Frau war, des Feldglausen Seppeli. Als diese starb, war er mehr und mehr verlassen und vereinsamt. Er hinterliess zwei Söhne und eine Tochter. Der Gemeinde Giswil erwuchs mit dem Eingehen der Ziegelhütte ein grosser Nutzen. Die Ziegelhütte hatte nämlich Anspruch auf unentgeltliche Beholzung, was sehr bedeutend war und auch vielfach missbraucht wurde.

 

Niklaus Berchtold „Glasergleis“, Talacher geb. 30. Nov. 1827, gest. 8. Jan. 1894